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Wir trauern um apl. Prof. Dr. Friedrich Matthies, der am 24.06.2017 von uns gegangen ist.

Wir trauern um apl. Prof. Dr. Friedrich Matthies, der am 24.06.2017 von uns gegangen ist.

apl. Prof. Dr. Friedrich Matthies

Nachruf

Am 24. Juni 2017 ist Professor Dr. Friedrich Matthies im Alter von 90 Jahren von uns gegangen. Von 1965 bis 1993, über seine Pensionierung hinaus, hat sich Friedrich Matthies an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Forstlichen Betriebswirtschaftslehre engagiert und maßgeblich zum Renommee der heutigen Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen beigetragen. Aus seinem bewegten Leben seien folgende wichtige Stationen, Ereignisse und Verdienste genannt.

Friedrich Matthies wurde am 15. September 1926 in Neustadt, Kreis Marburg an der Lahn als Sohn eines Forstmeisters in eine Zeit geboren, deren politische Unruhen und Ereignisse auch seinen Lebensweg beeinflussten. Als 17-jähriger Luftwaffenhelfer wurde er noch im letzten Kriegsmonat zum Dienst an der Ostfront verpflichtet und geriet anschließend in Kriegsgefangenschaft. Das Abitur musste er 1946 in Göttingen nachholen.

In Gießen und Hann. Münden studierte er Forstwissenschaft, konnte aber nach der Referendarzeit in der Niedersächsischen Landesforstverwaltung wie alle anderen Absolventen nicht in den Staatsdienst übernommen werden, weil zunächst die Flüchtlinge aus den Ostgebieten eingestellt wurden. Nach einer Gastrolle in Württemberg entschloss sich Matthies zum zweiten Studium, nämlich Betriebswirtschaft, das er 1958 mit der Diplomprüfung an der Universität Göttingen abschloss. Nach kurzfristigen anderweitigen Beschäftigungen wurde er 1960 von Professor Speidel als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Forstliche Betriebswirtschaftslehre, Universität Göttingen, eingestellt und ging mit ihm 1965 nach Freiburg an die Albert-Ludwigs-Universität, wo er noch zwei Jahre am Institut für Forsteinrichtung und Forstliche Betriebswirtschaft arbeitete. Unter Speidel promovierte er mit einer Arbeit über Kostenträgerrechnungen und fertigte seine Habilitationsschrift. Nahezu 30 Jahre lang übte Matthies die 1968 erteilte „venia Legendi“ an der Fakultät in Freiburg aus. 1973 wurde ihm in Würdigung seiner Leistungen als Wissenschaftler und Hochschullehrer der Titel des apl. Professors verliehen.

1967 begann Friedrich Matthies in der Niedersächsischen Landesforstverwaltung seinen Dienst beim Forstplanungsamt. Von 1969 bis 1991 war er in verschiedenen leitenden Positionen tätig und hat an wesentlichen Weichenstellungen der Landesforstverwaltung mitgewirkt. Die Arbeitsgebiete Datenverarbeitung, Rechnungswesen, Betriebswirtschaftliche Analysen und Erfolgsrechnungen, Statistik und Jahresberichte, Organisationsentwicklung, Funktionalreform und nicht zuletzt Waldbewertung, seien als Schwerpunkte nur stichwortartig genannt. Neben seinen Aufgaben in der Landesforstverwaltung hat Matthies sowohl in der Wissenschaft als auch in verschiedenen länderübergreifenden Gremien viele arbeitsreiche Funktionen mit großem Erfolg übernommen. So war er u.a. Mitglied des „Betriebswirtschaftlichen Ausschusses des Deutschen Forstwirtschaftsrates“ und hat mehrere Arbeitsgruppen zur Erarbeitung von Stellungnahmen und Gutachten für den Ausschuss geleitet. In der Waldbewertung war er ein über die Landesgrenzen hinaus anerkannter Experte, der auch lange Jahre die Arbeitsgemeinschaft Waldbewertung der Landesforstverwaltungen der Bundesrepublik leitete.

Die heutige Professur für Forstökonomie und Forstplanung verdankt Friedrich Matthies sehr viel. Das große Ansehen, welches das damalige Institut für Forsteinrichtung und Forstliche Betriebswirtschaft unter der Leitung von Professor Speidel erlangt hat, ist wesentlich durch unermüdliche und selbstlose Arbeit des „ersten“ Assistenten und Dozenten Matthies miterworben. Die vor allem mit dem Namen Gerhard Speidel verbundenen Arbeiten (insbesondere die Lehrbücher Forstliche Betriebswirtschaftslehre 1967 und Planung im Forstbetrieb 1972) waren Pionierleistungen, die die Forstliche Betriebswirtschaftslehre von Grund auf neu begründet und die forstökonomischen Forschungen über Jahrzehnte geprägt haben, die die heute selbstverständliche und unbestrittene Grundlagen der Forstökonomie darstellen. An der Begründung dieses Paradigmenwechsels war Matthies maßgeblich beteiligt.

Zu seinem Lebenswerk gehören wichtige Veröffentlichungen zu nahezu allen Teilgebieten der forstlichen Betriebswirtschaftslehre. Besonders hingewiesen sei auf seine Arbeiten zur Kostentheorie und zum Rechnungswesen, zur Waldbewertung im Allgemeinen und zur Bewertung der Sozialfunktionen und der Waldschäden im Besonderen.

Von 1967 bis 1993 hat Matthies in ungezählten Lehrveranstaltungen, insbesondere in Forsteinrichtungs- und Betriebsanalysekursen, einer großen Zahl von Studierenden hervorragend Wissen, Können und Interesse an forstökonomischen Problemen vermittelt sowie viele DoktorandInnen und DiplomandInnen des damaligen Instituts intensiv betreut. Jedes Jahr organisierte er das sogenannte „Freiburg Doktorandenkolloquium“, wo ehemalige in der Praxis wirkende MitarbeiterInnen und DoktorandInnen mit den Beschäftigten des damaligen Instituts zusammentreffen und diskutieren konnten. Der hohe Stellenwert seines umfassenden Wirkens erklärt sich nicht zuletzt aus der „glücklichen“ Verbindung von theoretischem Interesse und überaus erfolgreicher praktischer Tätigkeit in seiner Person.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen sind Friedrich Matthies dankbar für seinen engagierten Einsatz und seine großen Leistungen und sprechen den Familienangehörigen unser herzliches Beileid aus.


 

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