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Call for Papers: Vom Zukunftswissen zum Handeln: Expertise und Entscheidungen über Umwelt, Gesundheit und Sicherheit im 20. und 21. Jahrhundert

Tagung an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Oktober 2017

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Call for Papers

Komplexität, Risiko und Ungewissheit sind zu Signaturen unserer Zeit geworden und es scheint, dass die Zukunftseuphorie und der Planungsoptimismus früherer Jahrzehnte in vielen gesellschaftlichen Bereichen den Vorgaben von Pragmatismus und Machbarkeit sowie Vorstellungen von Robustheit, Anpassungsfähigkeit und Resilienz gewichen sind. Wann aber hat diese Gegenwart begonnen und wie lässt sie sich charakterisieren?

Schon seit einigen Jahren befassen sich Sozial- und Geisteswissenschaftler/innen mit dieser und ähnlichen Fragen. Unsere interdisziplinäre Tagung wird zu dieser Diskussion beitragen, indem sie die bisher wenig betrachtete Frage beleuchtet, inwiefern wissenschaftlich-rational generiertes “Zukunftswissen” tatsächlich relevant für Entscheidungen in Wirtschaft, Politik und Verwaltung war und ist. Dazu wollen wir historisch und gegenwartsbezogen arbeitende Wissenschaftler/innen zusammenbringen und diese Fragen gemeinsam diskutieren. Wir hoffen, auf diese Weise längerfristige Entwicklungslinien und Zäsuren in der Umwandlung von Zukunftswissen in Handlungen deutlich machen zu können. 

Es sind gerade Wissenschaftler/innen und Experten, die immer wieder auf die Beschränktheit des von ihnen generierten Wissens hinweisen und dieses meist mit Verweisen auf dessen Geltungsbedingungen und unter Vorbehalten vermitteln. Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens müssen jedoch trotz aller Komplexität, Ungewissheiten und Risiken Entscheidungen treffen, deren Langfristwirkungen und -konsequenzen sie nicht vollständig einschätzen können. Ihre Nachfrage nach plausiblem Orientierungswissen ist daher hoch und es verwundert nicht, dass eine Vielzahl an Akteuren und Institutionen Wissen über zukünftige Entwicklungen zu generieren sucht und dabei anstrebt, das grundlegend Ungewisse der Zukunft rational und wissenschaftlich fundiert ins Prognostizier- und Handhabbare zu überführen.

Zahlreiche Tagungen und Publikationen haben bereits die Generierung von ‚Zukunftswissen‘ und den Wandel diesbezüglicher Techniken und Praktiken der antizipativen Wissensproduktion in Vergangenheit und Gegenwart vermessen (z.B. Orakel, Prognostik, Simulation oder Modellierung). Die Schnittstelle zwischen Wissen und Handeln, zwischen Expertise und Entscheidungspraxis (in Regierungen, Verwaltungen, Unternehmen, NGOs und internationalen Organisationen) ist bislang aber nur selten betrachtet worden. Genau dieser Ebenenwechsel soll im Zentrum unserer Tagung stehen. Uns interessieren die Wege vom Wissen zum Entscheiden und weiter zum Handeln, die Übergänge von wissenschaftlicher Analyse zur Expertise, vom Zukunfts(nicht-)wissen zum Orientierungswissen sowie die Entstehung von und der Umgang beteiligter Akteure mit Handlungsempfehlungen und Entscheidungsunterstützungen.

Empirisch konzentrieren wird sich unsere Tagung auf drei Bereiche, in denen Wissen und Handeln, Expertise und Entscheidung eine wichtige und komplizierte Frage darstellen: Umwelt, Gesundheit und Sicherheit. Erstens wollen wir den Umgang mit natürlichen Ressourcen – Wald, Wasser, Agrarland – samt aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel oder der Bewahrung der Biodiversität ins Auge fassen. Zweitens soll der Bereich der menschlichen Gesundheit und der Umgang mit medizinischen Daten betrachtet werden, etwa hinsichtlich der Frage nach dem Umgang mit Prognosen, Schwellenwerten oder Vorsorgestrategien. Drittens schließlich wird der große Themenkomplex Sicherheit betrachtet, wobei sich die Tagung auf großtechnische Systeme und Infrastrukturen unter Aspekten von safety (Sicherstellung des Betriebs) und security (Schutz des Systems) konzentrieren wird.

Dem Vorstehenden entsprechend laden wir dazu ein, Beiträge einzureichen, die verschiedene theoretische und empirische Zugänge zu den folgenden Fragestellungen eröffnen:

  • Wann und wie greifen Verantwortliche und Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft oder Verwaltung auf abstraktes, wissenschaftlich-rational generiertes Zukunftswissen zurück – und wie adaptieren sie dieses für ihre jeweiligen Zwecke? Wie gehen  Entscheidungsträger dabei mit konkurrierenden wissenschaftlichen Prognosen, Einschätzungen, oder Expertisen um?
  • Wie kommunizieren Akteure aus Wissenschaft und Entscheidungspraxis miteinander? Welche unterschiedlichen Strategien und Motive, auch Stimmungen im Umgang mit Zukunft sind auf den beiden Seiten zu erkennen? Wie beeinflussen sie sich wechselseitig?
  • Thematisieren Experten und Entscheidungsträger den Ebenenwechsel zwischen Wissen und Handeln – und wenn ja, wie?
  • Wie gestalten sich – auch in historischer Perspektive – die institutionellen Schnittstellen zwischen Wissen und Handeln im Hinblick auf Kommunikations- und Arbeitsabläufe, beteiligte Personen oder Verantwortlichkeiten?
  • Welcher Umgang mit Unsicherheit und Nichtwissen zeigt sich in wissenschaftlichen Empfehlungen und Entscheidungsunterstützungssystemen – und wie wird in Entscheidungskontexten mit dem Problem der Unsicherheit und verfügbarem Zukunftswissen umgegangen?
  • Welche rhetorischen, graphischen und technischen Mittel und Instrumente kommen bei Entscheidungen zum Einsatz, um Zukunftswissen darzustellen und zu modellieren?
  • Wie interpretieren und verarbeiten Entscheidungsträger Zukunftskonstruktionen, -modellierungen und -fiktionen?
  • Welche normativen und handlungsleitenden Bezugssysteme, Konzepte, Leitbilder, Paradigmen oder Ideologien haben in der Wissenschaft und in der Entscheidungspraxis maßgebliche Bedeutung?
  • Inwieweit beeinflussen ‚nicht-rationale‘ Elemente und Dynamiken (Emotionen, kollektive Stimmungen, Machtverhältnisse…) politische Entscheidungsprozesse wie auch die antizipative Wissensproduktion selbst?

Interessierte sind eingeladen, Referatsvorschläge (250-300 Wörter) sowie einen kurzen CV (max. ½ Seite) bis zum 20.01.2017 an unsicherheit@ife.uni-freiburg.de zu senden.

Veranstalter

Roderich von Detten, Institut für Umweltsozialwissenschaften, Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Universität Freiburg

Martin Bemmann, Historisches Seminar, Universität Freiburg

Birgit Metzger, FRIAS, Universität Freiburg

Sabine Blum, Institut für Soziologie, Universität Freiburg

 

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